Eigentlich wollten wir ja nach den Tagen in Kiev weiter nach Charkow, um von dort über die Grenze nach Russland zu kommen. Da unser Russlandvisum vom 16. Mai bis 15. Juni gültig ist, wären das noch etwa 5 Tage zu überbrücken in dem flachem ukrainischem Niemandsland und knapp 2000km Fahrt nach Terskol zur Elbrus-Besteigung gewesen.

Als wir am Montag auf dem Camping in Kiev ankamen (wieder einfach einen Parkplatz neben einem Hotel) und wir die Zeit mit Selma reinigen (unsere Wohnung in St. Gallen wurde niemals so oft gereinigt), waschen und organisieren totschlugen, hatten wir den wirklich grossen Drang, vorwärts zu kommen und bald wieder Berge zu sehen. Wir prüften also Alternativen, und siehe da, ein Weg führt auch über das Schwarze Meer, mit einer Fähre, welche am Sonntag, dem 12. Mai ablegt. Abenteuerlust kam wieder über uns, und wir prüften die Route. Anstatt den langen Weg über Rostow am Don, Elbrusbesteigung Mitte Mai und dann nach Georgien würden wir zuerst den westlichen Teil Georgiens auskundschaften, dann hoch in die Berge und von Süden über die russische Grenze nach Terskol, und erst anfangs Juni die Elbrusbesteigung machen. Das wären ca. 800km weniger und 1 Woche mehr in Georgien. Der Fall war klar, Fähre kontaktieren und Ticket buchen. Nun aber doch nur keine falsche Vorfreude, denn die Antwort der Fähre liess auf sich warten. Also erstmals cool bleiben und mit dem längeren Weg über Charkow rechnen. Doch innerlich hofften wir natürlich beide, dass es klappt. Dann wären wir bereits in gut einer Woche in Georgien, ahoi!

So fuhren wir am nächsten Tag voller Tatendrang in das Zentrum von Kiev und suchten uns einen geeigneten Schlafplatz für die nächsten Tage. Wir peilten mal die Pärke an und fanden dann auch einen ruhigeren Platz am Strassenrand neben einem Park nicht allzu weit entfernt von der Metro. Gut genug für die wenige Zeit die wir hier in Selma verbrachten. Mit der Metro ging es dann erstmals zum wichtigsten Platz in Kiev, dem Maidan-Platz und wir liessen uns von den Geschehnissen im 2014 berieseln. Schon krass, wie nahe die ganze Revolution noch in den Köpfen ist, was sie bewirkte aber auch die Opfer, die sie forderte. Eindrücklich waren auch die Springbrunnen, welche jeden Abend zwischen 9.00 und 11.00 Uhr zu ACDC, Whitney Houston und ukrainischen Hits mit Lichtershow tanzten. Gerade mal 4 Stunden einen Ort besichtigt, und wir waren schon hin und weg von der Stadt. Dennoch gingen wir früh ins Bett, denn am nächsten Tag um 7.30 Uhr startete die Tschernobyl Tour. Aufstehen um 6.00 Uhr – ich mag mich gar nicht mehr daran erinnern, wann wir das letzte Mal so einen Termin hatten.

Tschernobyl

Glücklicherweise schafften wir es aus dem Bett und rechtzeitig zur Tour nach Tschernobyl. In einem voll gepackten Tag wurden wir durch die Geisterstadt Prypjet 3km vom Reaktor entfernt geführt, in welchem teilweise immer noch Radioaktivitätslevel von 3000 msv (0.15 ist der Normalwert und 0.3 der maximal für Menschen ‚gesunde‘ Wert) gemessen werden. Bei einem Wert von ca. 0,5 msv assen wir dann Zmittag mit den anderen Touristengruppen und den paar wenigen Arbeitern, die noch dort sind um die Schutzhülle über dem Reaktor instand zu halten. Prypjet selbst wurde erst 3 Tage nach dem Vorfall evakuiert. Eine Stadt 10km entfernt, bei welcher man im nachhinein auch zu hohe Werte gemessen hatte, wurde erst 1996 (!) evakuiert. Das Ganze war ein kommunikatives Desaster, bei welchem Informationen zurückgehalten und falsch interpretiert wurden. Der Unfall wurde durch einen Test zur Stromeinsparung in der Nacht verursacht, und erst als die Schweden eine erhöhte Radioaktivität gemessen hatten, kam die ganze Wahrheit ans Licht und internationale Hilfskräfte wurden dazu geschalten. Mehr zu den Fakten auf Wikipedia, ansonsten sagen hier die Bilder mehr als tausend Worte.

Wo das Unglück passierte
Alles wurde stehen und liegen gelassen…
Die Folgen
Darunter Prypjet, die Geisterstadt
Heute leben hier nur noch die Schattenkinder
Was sonst noch übrig blieb:

Während der Tschernobyl-Tour statteten wir auch noch einer versteckten Militärbasis aus der Sovietzeit einen Besuch ab. Die 200 Meter hohen und 1 Kilometer langen Stahlpfeiler sollten Angriffe aus der USA frühzeitig entdecken. Der einzige (Fehl-)Alarm wurde durch einen starken Wind ausgelöst. Als die NASA die Stahlpfeiler entdeckte und fragte wofür die seien, sagte die Sovietunion das seien Fernsehantennen, für ihre 2 Sender die sie dazumals hatten..

Wieder in Kiev hatte am Donnerstag ein Abschlepper hinter uns parkiert. Wir hofften jetzt mal, dass der nicht für uns gedacht war und zogen los um die Stadt zu erkunden.

Unser Standplatz, und der Abschlepper

Der Regen wollte es, dass wir unser Aktivprogramm in ein Barhopping-Programm umdisponierten. Denn wie lernt man eine Stadt besser kennen, als von Bar zu Bar zu gehen und die lokalen Spezialitäten auszuprobieren. Am Freitag war das Wetter stabiler und so kamen wir dann doch noch in den Genuss, durch die Märkte und Pärke Kievs zu spazieren und durch die Gassen zu flanieren. Viel Zeit blieb uns nicht mehr, denn wir hatten die Ticketbestätigung von der Fähre und so hiess es am Samstag früh, ab nach Odessa auf die Fähre!! Jippie!

Ein paar Eindrücke von Kiev

Kunst- und Architektur
Ess- und Trinkkultur
Der Markt
Unterhaltung

Bei unserem Städteranking können wir sagen, dass Kiev es locker unter die Top 3 schafft. Eine extrem lebendige Stadt mit spannender Geschichte, coolen Bars und vor allem extrem offene, freundliche und hilfsbereite Leute.

2 Replies to “Reiseplanänderung”

  1. Hi. Spannend eure Reiseberichte.
    Kann Euch etwas beruhigen. Beim Bild mit den Messwerten sind es „nur“ 20.52msv. Das Gerät steht auf dem Kopf.
    Wünsche Euch viel Spass bei Eurer weiteren Reise.

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  2. Chunt mir gad vor als warwd ih penner. sueched en schlofplatz, irgendwo viellicht ime Park😍 aber nicht He gsehnd, au ohni 🗻 ischts interessant gell🤗also Nu nöd so gsprengt vora goh, git No anders wie Gipfel bestürme.

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