Ja, die Überfahrt ist ein eigener Blogeintrag wert. Am Samstag Abend in Odessa angekommen (Selma hat zum ersten Mal das Meer gesehen, und wir zum ersten Mal das Schwarze) gingen wir am Sonntag in der früh in das Fährenbüro um das Ticket zu kaufen.

Wir mussten leider noch etwas draufzahlen, weil Selma halt von der Grösse wirklich nicht mehr zu den PKWs zählt. Aber naja, immerhin hatten wir das Ticket und wir konnten auf das Schiff. Nun wollten wir aber natürlich noch Odessa auskundschaften. Da bereits um 14.00 Uhr die Zollkontrolle startete, hiess es ab ins Auto: noch 1,5 Stunden für die Stadtbesichtigung. Wir haben Selma auf der gegenüberliegenden Strassenseite parkiert und Andreas machte mal schnell einen U-Turn auf der Strasse, um in das Zentrum reinzukommen. Eigentlich ganz ok für ukrainische Verhältnisse, andere Autos überholen hier auf dem Trottoir. Blöderweise kam genau dann die Polizei vorbei, und die nahm uns natürlich raus – das zweite Mal in der Ukraine. Diese waren aber nicht mehr so freundlich wie die Ersten, konfiszierten unsere Pässe und obwohl wir natürlich rein gar nichts verstanden merkten wir schnell, dass wir nur mit etwas Geld noch eine Chance auf eine Stadtbesichtigung hatten. Trotz fehlenden Englischkenntnissen konnten sie uns natürlich sehr gut vermitteln, wie viel sie denn wollten: 200.- Dollar. Die spinnen wohl. Glücklicherweise hatten wir nur noch 150 UAH im Portemonnaie, was ca. CHF 5.- entspricht, und nach einigem rumgemurkse der Polizisten, nahmen sie versteckt die 150.-, sprangen ins Auto und fuhren wie die Geier davon. Wir waren wieder Fahrbereit, aber für ein Glacé in der Stadt reicht es wohl zeitlich wie auch monetär nicht mehr.

Einen Abstecher machten wir trotzdem noch. Kurz 30min rein in die Stadt kurven, eine Stunde Aktivbesichtigung, wir sitzen ja dann im Boot noch genug rum, und wieder 30 min raus aus der Stadt zur Zollkontrolle. Für einen guten Eindruck hat’s nicht gereicht, aber immerhin hatten wir noch unser tägliches Workout. Trotzdem, bei dem ukrainischen Verkehrsverhalten fährt man so wenig wie möglich. Unsere Schutzengel machen hier einen ziemlich guten Job.

Für die berühmte Treppe in Odessa hat es gerade noch gereicht

Um zwei Uhr waren wir dann neben etwa 20 anderen LKWs und einer Hand voll Touristen bei der Zollkontrolle. Die Organisation war gar nicht mehr so gut wie beim Fährticketbüro und so war das ganze Zollprozedere dann hauptsächlich ein warten, bis man wieder abgeholt wurde um einen Check durchzuführen. Hier wurde dann aber auch Selma das erste Mal so richtig durchsucht, inkl. Blick in den Kleiderschrank und die Toiletten. Zum Glück hatten wir den Kack vorher noch geleert. =)

Nach ungefähr 5 Stunden waren alle Kontrollen durch und wir konnten mit Selma auf die Fähre. Geschafft. Danach hiess es dann Kajüte beziehen (inkl. Dusche!), Nachtessen, Sonnenuntergang bestaunen und lostuckern. Das ganze war natürlich Grund genug, mit einem Bier begossen zu werden und wir verpflanzten uns in die Bar, wo all die LKW-Fahrer bereits sassen und sich mit Literweisen Vodka, Whisky, und was es sonst noch so an hartem Zeugs gab, betrank. Wir setzten uns dazu und wurden freundlich und mit einem Willkommens-Whisky in Empfang genommen. So ging es vorerst Runde für Runde. Aber wie das mit dem Alkohol halt so ist, waren die Fahrer dann zunehmend auf der Suche nach Problemen, und so kam es, dass zwei sich plötzlich prügelten. Denn Grund konnten wir nur erahnen. Hauptsache wir wurden verschont. Sie wurden auf jeden Fall auseinander genommen, alles wurde verständnisvoll geklärt und gut war. Vorerst. Denn keine 15 min später fing wieder eine Pöbelei an. Karl, unser deutsche Kollege den wir auf dem Schiff kennen lernten, wollte ein paar Fotos machen. Ihm wurde dann ziemlich deutlich gemacht, dass dies gar nicht in Ordnung war (auch wenn sie vorher selber alles mit der Handykamera aufnahmen) und so zogen wir uns dann schnurstracks aus der angespannten Stimmung raus.

Am nächsten Morgen startete das ganze wieder von vorne, einfach schon um 9.00 Uhr nach dem Frühstück. Vodka und Pöbeleien. Wir hielten uns aber schön raus und genossen dafür die wunderschöne Aussicht ins blaue (eben doch nicht schwarze) Nichts, die vielen Delfine welche die Fähre begleiteten und einfach mal etwas Zeit ohne Internet und für sich, mit wunderschönen Sonnenunter- und -aufgängen.

Land in Sicht

Die Freude war dann trotzdem gross, als wir zwei Tage nach Abfahrt plötzlich hoch in den Himmel schiessende, mit Schnee bedeckte Berge sahen. Nicht nur Land, nein, sogar Berge in Sicht! Uns der Küste nähernd war unser Zielort Batumi mit dem leuchtenden Riesenrad und den modernen Gebäuden nicht zu übersehen. Um 18.00 Uhr gab es dann noch ein letztes Abendessen auf dem Schiff, 10 Minuten später legten wir auch schon an. Alle plangten darauf, an Land zu kommen. Die LKW Fahrer verbrachten den ganzen Tag alkoholfrei und waren gar nicht mehr so kommunikativ, der einte oder andere sogar mit blauem Auge oder aufgeplatzter Lippe. Naja, uns auch egal, denn auch wir freuten uns auf das neue Land.

Glücklicherweise hatten wir Selma als eines der letzten Fahrzeuge im unteren Stock parkiert und hatten deshalb schon um ca. 21.00 Uhr wieder festen Boden unter den Rädern. Unser Kollege Karl, der mit seinem Motorrad im zweiten Stock parkierte, musste dann doch noch etwa 2 Stunden länger auf der Fähre ausharren, bis er endlich an Land war. Für uns hiess es noch kurz die Versicherung für Selma lösen und ein kurzer Autocheck durch die Polizei, welche äusserst beeindruckt unser Zuhause begutachteten und danach freundlich meinten: “Welcome to Georgia!”

7 Replies to “Die Überfahrt”

  1. Wunderschöne Bilder. Vorallem Selma mit den ganz Grossen gefällt mir.
    Ach ja und ich bin mega erleichtert, musste Michelle nicht noch ihre Kickbox Künste anwenden. Puh…..

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