Die erste Nacht in Russland verbrachten wir ca. 20km nach der Grenze, inmitten der Berge direkt an einem Fluss. Trotz wunderschönem Ambiente schliefen wir beide etwas nervös. Das Verhör zeigte zumindest mental seine Wirkung, denn ‚eigentlich‘ müssten wir uns in einem Hotel, das wir ja angegeben hatten, registrieren lassen. Dass man die Polizeisirenen immer mal wieder hörte, machte das Gefühl nicht besser. Wir wachten am nächsten morgen jedoch ohne Handschellen und Sirenen auf, und so machten wir uns auf zu unserem eigentlichen Ziel in Russland: Terskol.

Akklimatisierung 1: Observatorium

Dort angekommen zuckten uns natürlich schon die Beine ab dem Anblick des höchsten Europäers, und wir konnten es nicht lassen, am Nachmittag um 5 Uhr noch 700m hoch auf 3000m zu sputen. Am gleichen Tag checkten wir auch noch das Wetter für die Elbrusbesteigung. Das Wetter war jetzt gut und wurde im Verlauf der Woche schlechter. Nur blöd, dass wir noch Akklimatisieren, Hüte buchen, Material vorbereiten und Guide buchen mussten. Naja, jetzt sind wir ja gerade mal einen Tag in Russland. Von daher erstmals drüber schlafen und am nächsten Tag die erste Akklimatisierungstour zum russischen Observatorium auf 3200m machen, wobei man munkelt, dass es gar kein Observatorium sondern eher ein Militärstützpunkt ist… Herausfinden können wir’s nicht, denn um das Observatorium herum ist alles weitläufig abgesperrt. Wir entschliessen uns, lieber noch bis zum Peak Terskol auf 3400m aufzusteigen. Auf dem Weg treffen wir eine russische Gruppe mit ca. 30 Leuten und Führern, welche auch die erste Trainingstour für den Elbrus macht. Es ist alles dabei, vom Putinverschnitt welcher auf dem Peak mit nacktem Oberkörper Fotos macht bis zur Schönheitskönigin, die sich erstmals bei Ankunft die Haare kämmt. Auch sie wollen morgen auf die Hütte. Das kann ja heiter werden…

Elbrus Vorbereitungen

Wieder zurück in Terskol will es die Wettervorhersage, dass wir doch schneller als geplant die Besteigung machen und so buchen wir über die Agentur noch am Abend Hütte und Guide für die nächsten Tage. Entsprechend müssen wir am selben Abend noch das Material bereit machen, Geld abheben, Sandwiche streichen und natürlich nochmals duschen. Man will ja schliesslich frisch auf den Gipfel. Das alles war dann doch eher eine Hauruck-Übung, und man merkt es unseren Nerven an, dass wir beide froh sind als wir am nächsten morgen früh um 09.00 Uhr in der Bahn zu unserem Basislager auf 3800m sitzen. 

Akklimatisierung 2: Puschlakov Rocks

Ab jetzt verläuft zwar alles planmässig, aber keineswegs entspannt. Andreas übernimmt bis unser Guide kommt die Führung und setzt noch am gleichen Tag eine Akklimatisierungstour, dieses mal mit den Skiern, zu den Puschlakov Rocks auf 4700m an. Am Abend merken wir beide bereits das Kopfweh… Ob wir uns genug Akklimatisierungszeit gegönnt haben? Die meisten Gruppen bleiben einen Tag länger auf 3800m… Naja, wir sind ja jung und fit, und waren die letzten Tage schliesslich immer in der Höhe. Schon mal die besseren Voraussetzungen als bei Andreas‘ letzter Elbrus-Besteigung. Plus, eine Gruppe Schweizer (natürlich, wo trifft man sie sonst als in den Bergen), macht die Besteigung auch bereits am 2. Tag nach Ankunft in der Hütte.

Ruhetag

Am nächsten Tag ist das Kopfweh Gottseidank wieder weg und wir starten nochmals eine gemütliche Tour auf 4200m. Genug, um den Rest des Tages in der Hütte ausruhen zu können. Am Nachmittag kommt dann auch bereits unser Bergführer. Ein lokales, kleines Mannli, der bereits 1981 seine erste Gruppe auf den Elbrus geführt hat. Zumindest Erfahrung hat er. Er verabschiedet sich dann auch schon wieder, wir treffen uns am Freitagmorgen um 3.00 Uhr bei der Hütte. Er brauche jetzt erstmals etwas schlaf. Das kann ja heiter werden.. Wir entspannen uns den Rest der Zeit noch in der Hütte. Eine Hütte, die übrigens ein Restaurant- und Barbereich mit viel russischem Bling Bling und Überwachungskameras wohin man schaut, aber Containertoiletten mit einem Loch in den Schnee und einem Waschbereich der gänzlich fehlt. Für die Tage reicht es, und wir legen uns früh genug ins Bett.

Besteigung

Um 2.00 Uhr klingelt auch schon wieder der Wecker. Frühstücken, Zähneputzen und auf geht’s, zuerst mit dem Ratrac auf 4600m. Der Ratrac war auch so eine Sache. Besteigung mit oder ohne? Pro ist klar; weniger Höhenmeter und entsprechend mehr Energie und Konzentration für die Besteigung. Kontra dafür die Umwelt und naja, ein bisschen auch der Stolz. Der Bergführer empfiehlt aber mit, und so liessen wir uns doch dazu verleiten. Und wie froh wir drum waren. Die ersten 500 Höhenmeter gingen noch ohne Probleme, abgesehen dass unser Führer seine Harscheisen nicht wirklich im Griff hatte und immer mal wieder zurück rutschte. Die Steilheit war für uns noch kein Problem, für den Führer in diesem Augenblick jedoch schon. Aber egal, ich fühlte mich fit und konnte im Notfall auch ihn noch halten. Im Moment genoss ich einfach nur die Ruhe und die Sonne, die langsam die Bergspitzen um uns herum erhellte. Dieses Gefühl verliess mich, als wir um ca. 08.00 Uhr den Sattel auf 5400m erreichten. Eigentlich sind es ja nur noch gut 200 Höhenmeter, aber ich fühlte, wie mich jegliche Energie verliess. Die Höhe machte mir einen Strich durch die Rechnung. Andreas ging es zwar nicht viel besser, doch im Anblick meiner misslichen Lage liess er sich nichts anmerken, versorgte mich mit einem Dafalgan und band die Skier an den Rucksack. Die letzten paar Meter schaffen wir nun auch noch. Also aufstehen, Steigeisen anziehen und weitergehen. Und auch die letzten 200 Höhenmeter machten wir noch. Um ca. 10.00 Uhr erreichten wir den Gipfel. Todkaputt und doch überglücklich. Ein unbeschreibliches Gefühl. Küsse, Umarmungen, Fotos, und noch einen Schluck Appenzeller (ja auch der wurde hochgeschleppt), und dann machen wir uns auch schon wieder auf den Weg zurück. Dieses Mal zu unserem Vorteil auf den Skiern vorbei an allen Fussbesteigern.

Zurück in der Hütte danken wir dem Bergführer – allen Endes hat er uns doch den Weg gezeigt und uns Sicherheit und Motivation gegeben – packen unsere Sachen und fahren runter ins Tal, wo wir uns für die nächsten Tage im wohl gemütlichsten Campingplatz Russlands einquartieren.

Die Erholungsphase ist bald vorbei, natürlich jagt mich Andreas am nächsten Tag schon wieder auf den Cheget. Die Tour ist gemütlich (1000 Höhenmeter), die Aussicht wunderschön (der 7 Glacier) und die Belohnung 4 kg Erdbeeren für CHF 4.-.

Selma neu verziert, bereit für die Weiterreise

4 Replies to “Kaukasus Teil 2 – Elbrus”

  1. Zum Glück habe ich nicht alles gesehen.. sonst hätten wir wieder ein ‘Piz Lunghin’ Erlebniss gehabt 🙂 Bin mega stolz auf Euch zwei! Heini

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