Ja wir haben sie noch eine Weile gespürt, unsere Steinbeine von dem langen Abstieg mit Skiern auf dem Rücken anstatt an den Füssen. Naja, zum Autofahren braucht es zum Glück (fast) keine Beine und so zog es uns am nächsten Tag bereits weiter die Heerstrasse zurück Richtung Tiflis. Die Stadt ruft! Da es auf dem Rückweg aber doch noch einiges zu sehen gab, legten wir auf dem Weg eine Pause bei Ananuri direkt unter einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Georgien’s ein. Gemütlich gelegen am Stausee konnten wir am nächsten Morgen in aller Ruhe und noch ohne Touristen die Burg besichtigen.

Typisch Sowiet: Das Denkmal der Freundschaft Sowjetischer Völker an der Heerstrasse
Unser Platz direkt unter der Ananuri-Kirche

Voller Vorfreude – endlich wieder coole Bars, feine Restaurants, und nicht immer dieselben langweiligen Wanderhosen und schweren Schuhe – ging es dann auch weiter rein in die Hauptstadt Georgiens. Tiflis begrüsste uns mit einem ordentlichen Stadtverkehr, wie es sich gehört, und einer ziemlich krassen Hitzewelle. Wir waren vorbereitet und nahmen einen Badesee etwas ausserhalb der Stadt als unser ‘Base’ für die nächsten Tage. Nach einer erfrischenden Dusche (das Badewasser im See war es weniger) wagten wir uns per Autostopp das erste Mal ins Zentrum, rein ins Getümmel. Und wie wir überrumpelt wurden. Schon das erste Mal nassgeschwitzt durch einen kurzen Stadtrundgang hatten wir am Abend so ein Überangebot an Restaurants, dass doch keines gut genug war (hm, vielleicht finden wir ja noch was besseres..) und wir schlussendlich hungrig und zickig in einem zwar netten aber doch ziemlich touristischen Plätzchen mit mittelmässigem Essen endeten.

Das können wir besser, dachten wir und bereiteten uns für den nächsten Tag mit Recherchen für gute Restis und coole Bars vor. Wir verbrachten den Tag wieder am See, die Hitze macht die Stadt unerträglich, und machten uns gegen Abend auf für Sightseeingtour Nr. 2. Dieses Mal hatten wir zwar (dank der Recherche) Glück mit dem Restaurant, aber bis jetzt hatte es irgendwie einfach noch nicht gefunkt zwischen Tiflis und uns. So viel Gutes wurde von der aufsteigenden Stadt erzählt. Bis jetzt konnte sie die Erwartungen nicht erfüllen. Vielleicht war aber auch der Wechsel von Land zu Stadt zu krass und wir waren einfach überwältigt von den vielen Leuten, dem Lärm, Dreck, Konsummöglichkeiten, und der Hitze. Mittelmässig motiviert ging es am nächsten Tag wieder per Autostopp runter in die Stadt. Dieses Mal mit zwei Jungs, die uns sofort mit grosser Begeisterung Tipps für die besten Lokale der Stadt gaben. Wir hatten noch keine Pläne und sie anscheinend auch nicht, und so luden sie uns spontan in eines der richtig lokalen Restaurants ein. Mit ihnen zogen wir dann auch weiter von Bar zu Bar und das Blatt fing sich schon wieder an, zum Guten zu wenden.

Statements und Kunst in der Stadt

Anscheinend hat die Stadt auch eine der besten Techno-Szenen, und die durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. So machten wir uns am Samstag nach einer bereits zächen Nacht am Freitag auf an ein Elektro-Festival. Nachdem wir die Zeit bis 10:00 Uhr abends überbrückt hatten, fanden wir im Mtatsminda Park zwischen all den Bäumen ein paar Lämpchen, und ein Paar, welches uns bestens gelaunt entgegenkam. Sie waren wahrscheinlich auf dem Nachhauseweg von gestern Nacht. Und wir, wir waren natürlich viel zu früh dort. Was wir vor fanden war eine verlassene Märchenwelt mit ein paar letzten Seelen, die noch auf der Bühne tanzten und wenigen Übermüdeten, die schliefen auf was immer schlafbar war. Für uns hiess das, durchhalten bis das Fest wieder aufwachte. Das war zum Glück nicht all zu schwierig, denn das Gelände war mit Liebe zum Detail wie eine kleine Wunderwelt gestaltet, sodass wir dann doch noch mit den Gästen welche um Mitternacht eintrafen mittanzen konnten.

Am Sonntag ging es ein letztes Mal runter in die Stadt. Eigentlich wollten wir das Puppentheater anschauen, mal etwas kulturelles. Als wir aber wieder per Autostopp mitgenommen wurden, fragten uns die zwei Tifliser, nicht viel älter als wir, in gebrochenem Englisch ob wir georgisches Essen mögen. Natürlich mögen wir! Ob wir es denn jetzt mögen? Ja, eigentlich schon, wir mussten eh noch essen. Und so führten sie uns zum Essen in ihr Lieblingsrestaurant aus, und fuhren uns danach direkt vor das Puppentheater (das leider ausverkauft war). Wir waren wieder einmal überwältigt von der Gastfreundschaft, welche uns die Georgier entgegenbrachten, und von der wir einiges lernen können. Für sie ist es selbstverständlich, dass wenn Gäste das Land besuchen, man ihnen auch die beste Seite zeigen möchte.

Das Bilderbuch Tiflis

Da das Puppentheater ins Wasser fiel, genossen wir sonst einen schönen letzten Stadtrundgang durch Tiflis und mussten im Nachhinein sagen, sie hat eben doch ihren Charme.

2 Replies to “Schmoren in Tiflis”

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