Adieu Georgien, es war so schön mit dir

Scroll down to content

Es konnte nicht verhindert werden. Wir mussten weiter nach Osten, und Georgien hört halt irgendwann im Osten auf. So machten wir uns nach einem Erfrischungsschwumm im Fluss langsam aber sicher auf nach Lagodheki, unserem letzter Stopp in Georgien, ganz nahe der Grenze zu Aserbaidschan. Auf dem Weg legten wir noch einen Zwischenhalt im wunderschönen Dorf Sighnaghi für eine kurze Sightseeing-Tour ein.

Spätabends erreichten wir dann Lagodekhi und liessen uns an einem gemütlichen Platz nahe des Flusses nieder. Stühle raus, noch kurz etwas kochen und entspannen. Doch es verging keine Stunde als ein Auto an uns vorbeiraste, stark bremste und der Fahrer ‚Vino, Vino‘ rief. Freundlich gestimmt wie man am neuen Standplatz seinen Nachbarn begegnen sollte, rief ich intuitiv„Da, da“ (ja, ja auf Russisch). Das Auto machte kehrt und keine 10 Minuten später kam ein kleines Mädchen, und brachte uns eine PET–Flasche gefüllt mit Wein vorbei. Zum Glück hatten wir noch etwas Schweizer Schokolade an Vorrat, und so ging auch das Mädchen nicht mit leeren Händen davon. So nett die Gesten auch sind, es macht es nicht einfacher, den ganzen Alkohol bis zur Einreise in den Iran getrunken zu haben.

Die Temperaturen stiegen nicht nur in der Schweiz. Auch bei uns stieg das Thermometer mittlerweile auf bis zu 36 Grad. Während wir uns am Tag auf eine wunderschöne Flusswanderung zu einem erfrischenden Wasserfall machten, schmorte unsere Selma in der Sonne. In der Nacht konnte sie nicht mehr richtig runterkühlen und wir fragten uns, wie wir das im Iran erst machen werden (und haben noch keine Antwort darauf gefunden). Dazu kam, dass die Sicherung von den Solarpanels auf unerklärliche Weise ständig durchbrannte, und sich der Strom für den Kühlschrank langsam zu Ende neigte. Erstmals Ruhe bewahren, googeln und den Hersteller der Solarpanels kontaktieren.

Das alles hielt uns nicht davon ab, nochmals alle georgischen Vorzüge vollumfänglich zu geniessen. Speziell das Kachapuri Acharuli, das praktisch unser täglicher Speiseaufsteller in Georgien war und sich vor allem Andreas nur schweren Herzens trennte. Auch die Gastfreundschaft der Georgier konnten wir nochmals in vollen Zügen erfahren. Zum einen auf dem Weg zurück vom Wasserfall zum Standplatz, wo wir spontan von ein paar Georgiern zu Khinkalis, Bier und Würsten eingeladen wurden und zum anderen bei der Familie, welche uns den Wein brachte, und für uns Shashlik machte. Wir brachten dafür ein Pack-Fondue mit. Anscheinend war ihnen der Käsegeschmack aber doch etwas zu exotisch, weshalb wir gut die Hälfte wieder mitnahmen. All diese Erlebnisse machte uns den Abschied von Georgien nicht gerade leicht. Doch es musste sein. Am nächsten Tag packten wir unsere Sachen, assen noch ein letztes Kachapuri Acharuli und fuhren zur Grenze.

„Azerbaijan Border. Good Luck.“ stand da. Das macht unser Gefühl nun auch nicht besser. Wofür immer auch dieses Good Luck gemeint war, an der Grenze brauchten wir es nicht. Die Grenzkontrolle ging abgesehen von der Busse, welche wir bei der Ausreise aus Georgien bezahlen mussten, weil die Autohaftpflicht seit zwei Tagen abgelaufen war, ganz reibungslos vonstatten und auch hier wurden wir wieder äusserst freundlich begrüsst.

Aber auch wenn es erst ein paar wenige Meter waren, seit wir Georgien verlassen hatten, so waren die Unterschiede doch deutlich zu erkennen. Was uns als erstes auffiel: die Strassen. Diese wunderschönen, makellos schwarz geteerten Strassen mit geraden und klaren Linien, eine Augenweide!

Dafür fehlten ab sofort die Kachapuris. Schweinefleisch ist verboten und der Wein wurde durch Cay (Tee) ersetzt. Auch wird in Aserbaidschan, wenn auch immer überschwänglich und mit viel Freude, nur noch Andreas mit einem Händedruck begrüsst. Damit kann ich mich in Anbetracht des Bakterienaustausches abfinden. Was aber auffiel war, dass auf den Strassen praktisch nur Männer waren. Wo auch immer wir durchfuhren, Frauen sah man selten. Sogar vor dem Hochzeitskleiderladen waren lediglich Männer versammelt. Die muslimische Kultur und die Auswirkungen auf den Lebensstil waren klar sichtbar. Entsprechend war ich auch skeptisch, als uns ein junger Bursche spontan zu einem Wasserfall fuhr. Mit gutem Englisch fuhr er mit seinem 4×4 wie ein Wilder die Offroad-Strasse entlang. Als wir dann immer weiter weg vom Schuss waren und ausser ein paar einzelner Männer niemand mehr sichtbar war, wurde mir unwohl. Wir kehrten um. Wahrscheinlich wollte er uns nur die schönen Plätze von seinem Land zeigen, dennoch war ich froh, als wir wieder zurück in Zaqatala waren.

Zaqatala ist auch die ‚Haselnuss-Hauptstadt‘ von Aserbaidschan, und so liessen wir es uns nicht nehmen, eine Fabrik zu besuchen bei welcher wir freundlich rumgeführt und am Ende der Tour gleich noch einen riesen Sack voller Haselnüsse geschenkt bekamen. Übrigens bestellt Ferrero seine Nüsse bei der Fabrik, weil sie anscheinend einen besonders hohen Fettanteil haben. Na dann, gehen wir mal bei Lindt und Co. weibeln.

Es blieb heiss und obwohl wir das Solarpanelproblem gelöst hatten brauchten wir, und vor allem Selma etwas Abkühlung und Ruhe. Auch wenn die Azeris überaus freundlich und hilfsbereit sind, ist es doch anstrengend, wenn dich jeder auf der Strasse mit ‚Hello, how are you? Can I help?“ anspricht und ausfragt. So fuhren wir wieder hoch in die Berge, nach Ilisu, „der kleinen Schweiz“ und fanden einen wunderschönen, ruhigen und angenehm kühlen Platz. Gleich hinter uns war Russland, und entsprechend befand sich dort auch ein kleiner Wachposten mit Soldaten.

Beim Weg zum Übernachtungsplatz wurde Selma jedoch gefordert…

„Wanderungen in Richtung Grenze seien verboten“ hiess es gemäss Lonely Planet. Und so wollten wir am Samstag nach dem Selmaputz und dem vorverlegten Sonntagszopf eigentlich bereits wieder weiter. Doch wie es der Zufall wollte, kam genau dann ein Azeri bei uns vorbei gelaufen. Mit einwandfreiem Deutsch sprach er uns an. Er lebe in Deutschland und sei wegen seiner kranken Mutter hier zu Besuch. Ob wir bereits bei der warmen Quelle, sieben Kilometer den Fluss entlang waren? Nein, waren wir natürlich nicht. Wie sollten wir auch davon gewusst haben, die Quelle war in keinem Reiseführer drin. Aber wir wollten diesen wunderschönen Ort eigentlich sowieso noch nicht verlassen, und auch für unser Bedürfnis nach Bewegung war dieser Ausflug perfekt. Noch kurz bei den Soldaten registrieren und dann ab die Post. Und wie sich der Ausflug gelohnt hat. So wenig die Quelle in Reiseführern stand, so wenig Touristen waren dort auch anzutreffen. Bei der heissen Quelle, die wie aus dem Nichts mit 40 Grad aus dem Berg spriesste, waren zwei kleine Hamams eingerichtet. Eigentlich eines für Männer und eines für Frauen. Da es aber wenig Leute hatte konnte man auch Paarweise hinein und so genossen wir nach kurzer Wartezeit den heissen Pool nur für uns.

7 Replies to “Adieu Georgien, es war so schön mit dir”

  1. Spannende reiseberichte…super was ihr alles erlebt habt bis jetzt…geniesst es weiterhin und liebe grüsse von martin und regina mockalpiger…euer kalbfleischlieferant 😆😆😆

    Like

    1. Dankeschön! Aber also das Kalbfleisch vermissen wir schon. Können wir das auch nach Turkmenistan bestellen? 😃

      Like

  2. Interessante Berichte
    Wir wünschen Euch eine schöne Weiterreise
    Und viele Erlebnisse
    Chläus und Christine

    Like

Leave a Reply to Maribi Cancel reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: