Mit Zelt, Schlafsack, Daunenjacke (unfassbar diese bei 45 Grad in Teheran einpacken zu müssen..) und feinen iranischen Dosen-Menus ausgestattet machten wir uns auf zum West-Terminal von Teheran, wo uns ein Deluxe-Bus durch die wunderschönen Täler bis nach Mazanabad brachte. Von dort aus ging es mit dem Taxi nach Kelardasht, und ab da wurden wir von einem Fahrer nach dem Anderen weiter nach hinten bis nach Vandarbon, dem Ausgangspunkt unseres Ausfluges genommen. Die Gegend war atemberaubend und wir entschlossen uns, die erste Nacht doch schon im Zelt anstatt anfangs geplant in der Bergvereinshütte zu verbringen. So tauschten wir T-Shirt gegen Daunenjacke und machten uns einen gemütlichen Abend bei Dosen-Fesendjun und Reis. Am nächsten Tag weiter zur Hesarchal-Ebene auf 3400m mussten wir zum Glück auch nicht lange warten, bis wir von einem 4×4 Fahrer ein gutes Stück mitgenommen wurden. Der Fahrer versuchte uns auf farsisch verstehen zu geben, dass wenn diese Gegend bereits ‚cheili chub‘ (sehr gut) war, so war die Hesarchal Ebene ‚cheili cheili cheili chub‘ (sehr sehr sehr gut). Und das war sie auch. Eine grüne Ebene umringt von Bergen, Gletscherseen und Flüssen. Fast schon kitschig, wäre da nicht wieder der haufenweise Abfall, welcher von den Berggängern oben gelassen wurde. Es gab aber auch andere, welche vorbildlich mit Papiersäcken rumliefen, um den Abfall einzusammeln und runterzunehmen.

Eigentlich wollten wir zuerst noch einen Akklimatisierungstag machen und erst danach den Alam-Kuh besteigen. Eine iranische Gruppe motivierte uns jedoch, bereits am nächsten Tag den Berg in Angriff zu nehmen. Von der Höhe spürten wir nichts, wir fühlten uns ausgeruht und die Vorfreude war gross und so änderten wir kurzerhand unsere Pläne. Am nächsten Morgen um 6.00 Uhr machten wir uns auf. Der Berg war ein Leichtes, und auch die Höhe machte uns nicht zu schaffen. Wahrscheinlich hatten wir immer noch den Mt. Kazbek im Blut. Das Wetter war jedoch unbeständig, und so genossen wir nur wenige Gipfelminuten bei Schnee und Hagel. Dennoch, ein wunderschöner Berg und ein super Erlebnis. Der Regen zwang uns dann für die nächsten Stunden ins Zelt und bei aller Zeltromantik, vermissten wir Selma jetzt schon wieder.

Am nächsten Tag unternahmen wir noch eine gemütliche Wanderung auf einen kleineren Berg, und machten uns danach wieder auf den Weg zurück nach Teheran. Dieses Mal wurden wir von den beiden Morteza’s mitgenommen. Sie waren auf demselben 4×4 Truck und mussten sowieso über Teheran nach Polur, denn am nächsten Tag stand bei ihnen der Damavand auf dem Programm. Wie wir erfuhren waren die beiden Triatlon-Läufer. Einer der Coach, der andere quasi der Lehrling. Heut der Alam-Kuh, morgen der Damavand. Taffes Programm, dachten wir uns, aber Hauptsache wir kommen so einfach wie möglich wieder zurück nach Teheran. So fuhren wir um ca. 5 Uhr abends los. Nach etwa drei Stunden gab es einen Halt am Fluss, zur Regenerierung meinten sie. Das war für uns kein Problem, aber der Weg bis nach Teheran dauerte sicher noch 3 Stunden. Dazu setzte sich langsam der Abendverkehr ein. Schlussendlich kamen wir totkaputt um halb zwölf Uhr abends in Teheran an. Die beiden mussten noch zwei Stunden weiter nach Polur. Wie wir erfuhren, haben sie die Besteigung dann um einen Tag verschoben, aber dennoch, an einem Tag. Chapeaux.

Wir gingen das ganze etwas gemütlicher an, und holten zuerst mal unsere Selma wieder in der Garage ab. Zwar aufgeheizt aber mit einem wunderschönen neuen, 85 Liter Dieseltank stand sie da, abfahrbereit für die Weiterreise. Endlich! Für eine so lange Zeit waren wir schon lange nicht mehr von unserem Zuhause getrennt. Alles sah tiptop aus und Andreas hat am Abend zuvor auch kurzerhand noch beim Tankeinbau mitgeholfen. Wie ein kleines Kind hat er sich gefreut, mal wieder etwas zu ‚mechen‘. Als wir dann auf jeden Fall nochmals zum Tee zusammen sassen, alles bereit war und wir dann eben doch noch die Kosten ansprachen (weil wir ja immer noch keinen genauen Preis hatten) verlief die Diskussion etwa so:

Michelle: „So, Sarouh, how much is it“?

Sarouh: „hmm, what did I tell you last time?“

Michelle: „450-500“

Sarouh: Langes Schweigen und überlegen… „Are you satisfied with… 600?“

Michelle: Dollar or Euros?

Sarouh „hm, I don’t know… Does it make a difference?

Keinerlei Kostenaufstellung nichts, aber so läuft das halt im Iran. =) Auf jeden Fall waren wir zufrieden mit dem Tank, und hatten eine super Zeit in der Garage, und er war zufrieden mit dem Preis. Everyone satisfied sozusagen.

Tank gefüllt, everyone’s satisfied =)

Und so ging es endlich weiter, raus aus der Hitzestadt, rein in die Berge, nach Polour zur Damavandbesteigung. Wir wollten für den höchsten Berg Irans nicht die einfachere und meistbegangene Südroute machen, sondern von Westen aufsteigen. Abgesehen von der Höhe von 5612m ist der Damavand kein schwieriger Berg, und wir versprachen uns von der Westroute etwas weniger Leute. Also erstmals ab zum Ausgangspunkt der Westroute, wo wir einen gemütlichen Platz bei zwei Schafhirten fanden. Wie alle Schafhirten hatten auch sie ein geländetaugliches Fahrzeug, welches uns bis zum ersten Parkplatz auf 3400m bringen konnte. Wie alle Schafhirten verstanden sie jedoch kein Wort Englisch, und so versuchten wir ihnen mit Händen und Füssen, und vielen Zeichnungen klar zu machen, was wir brauchen. Zu was auch immer sie verstanden willigten sie ein, und wir packten unsere Rucksäcke. Am nächsten Tag also wieder bei den Schafhirten vorbei. Allerdings machten sie zuerst keine Anstalten, uns mit zum Parkplatz zu nehmen. Erst als wir dann das Geld hervor nahmen verstanden sie unsere Zeichnungen anscheinend doch, und nahmen uns mit zum Startpunkt der Westroute auf 3400m.

Dort ging es mit unseren vollbepackten Rucksäcken für die nächsten Tage zuerst mal in die Schutzhütte auf 4200m. Der Hütte näher kommend hatten wir schon fast ein wenig Heimatgefühle, so zeigte sie sich doch wie eine Schweizer SAC Hütte vor dem grossen Berg. Einmal die Hütte betreten verblassten diese Heimatgefühle jedoch rasch. Denn anstelle einer frischen Wähe und einem Hüttenkaffee gähnte uns ein leerer Raum aus hartem Beton entgegen. Kein Tisch, keine Stühle, keine Küche. Einfach nur die Betonwand. So legten wir unsere Mättelis halt auf dem harten Boden aus und machten uns unseren eigenen Hüttentee über dem Gaskocher. Auch mit der erhofften Ruhe wurde nichts, hatte es doch noch zwei andere Gruppen, welche den Gipfel am nächsten Tag besteigen wollten, und etliche Gruppen, welche bereits erfolgreich vom Gipfel herunterkamen. Wie beim Alam-Kuh kamen die Gruppen noch bis spät abends noch vom Berg herunter, und wollten noch bis nach Teheran. So auch eine Gruppe mit einem Bergsteiger, welche die Höhenkrankheit hatte. Bis jetzt hatte ich mir unter der Höhenkrankheit immer starke Kopfschmerzen und Übelkeit vorgestellt, doch dies führte mir etwas anderes vor Augen. Der Mann wurde halb bewusstlos von den anderen heruntergetragen. Er konnte kaum noch atmen. Nach einem misslungenen Abstiegversuch kamen sie wieder mit ihm hoch in die Hütte. Zum Glück hatte es wenigstens noch eine Sauerstoffflasche, mit welcher wir ihn versorgten. Mit dem zusätzlichen Sauerstoff beruhigte sich die Lage kurzfristig. Dennoch nutzten wir unser SOS-Warnsystem um die lokale Rettung zur Hilfe zu rufen. Wie wir dann erfuhren war die Hilfe, welche sie hier anbieten konnten einen Esel, die ihn von der Hütte runtertragen sollte. Mehr konnte momentan nicht getan werden, und so legten wir uns spät und mit etwas ungutem Gefühl dann doch noch schlafen.

Auf dem Weg zur Schutzhütte. Wir tragen..
Andere lassen tragen
Von aussen wie eine SAC Hütte
Mit wunderschöner Aussicht
Innen dann doch eher spartanisch

Nach etwa 5 Stunden Schlaf ging es am nächsten Morgen um 5.00 Uhr los. Die Gruppe mit dem höhenkranken Berggänger war immer noch hier, der Esel konnte nicht aufgebracht werden. Sein Zustand war aber wieder stabil und sie würden später absteigen. Na dann, das bringt einem auch nicht gerade ein Gefühl der Sicherheit für die Gipfelbesteigung, aber nichtsdestotrotz machten wir uns auf. Schliesslich waren wir gut akklimatisiert von den letzten Bergen und hatten keinerlei Kopfschmerzen. Die ersten 1200 Höhenmeter gingen zwar langsam, aber problemlos und ohne grössere Schwierigkeiten. Je höher man kam, desto dünner wurde die Luft und die letzten 200 Höhenmeter kamen wie eine Ewigkeit vor. Dennoch fühlten wir uns einiges besser als beim Elbrus und so erreichten wir nach gut 5 Stunden den Gipfel. Und wieder diese Glücksgefühle, einfach unglaublich, diese Anspannung im Körper, welche sich löst und die Befreiung die sich breit macht, das gibt es wohl nur in den Bergen. Doch tief ein und ausatmen sollte man auf diesem Berg nicht. Denn der Vulkanberg stinkt und raucht aus allen Löchern. Langsam macht sich auch das Kopfweh breit und nach den üblichen Gipfelfotos und Rundgang um den Krater machen wir uns wieder für den Abstieg bereit. Zusammen mit den beiden iranischen Gruppen ging es zügig wieder zurück zur Schutzhütte. Wir wollten uns dort noch kurz erholen und dann gemeinsam zum Parkplatz runter. Natürlich wurde wieder nichts mit Erholung, denn wider Erwarten war die Hütte noch voller als am Vortag. So genossen wir müde nochmals die iranische Gesellschaft bei Tee, und dieses Mal sogar noch Musik, bevor wir dann den Abstieg zum Parkplatz auf uns nahmen. Ab da konnten wir mit dem Auto einer der Gruppe mitfahren. Der Fahrer der uns mit nach unten nahm konnte Englisch und erklärte uns dann auch, dass es für die Fahrer eigentlich verboten ist, Touristen zur Westroute zu fahren, da diese ‚gefährlicher‘ ist. Jetzt wurde uns auch klar, wieso der Schafhirte so zögerlich war. Naja, wir kamen auf jeden Fall um acht Uhr abends ziemlich geschlaucht aber glücklich wieder bei unserer Selma an.

Auf geht’s
Steil aber gut machbar
Der Schatten vom Damavand
Geschafft! Auf dem stinkenden Gipfel
An Erholung in der Hütte ist nicht zu denken
Müde aber glücklich wieder unten

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: