Nach einem Erholtag machten wir uns auch schon auf, denn wir mussten am 4. August an der Grenze zu Turkmenistan sein, noch 800km in 7 Tagen. So viel waren wir schon lange nicht mehr gefahren. Nach den vielen Bergen wollte Andreas unbedingt noch eine Nacht am Strand verbringen. So fuhren wir erst die wunderschöne Bergstrasse hinunter an das kaspische Meer, direkt an den Strand. Andreas war wohl etwas zu euphorisch, fuhr er doch mit unserer Selma rein in die sandige Unterlage, die natürlich dem Gewicht nicht standhielt und sich nach links und rechts wegdrückte. Und so folgt die Geschichte, wo wir das erste Mal stecken blieben.

Aber, für solche Fälle haben wir ja eine ganze Kiste mit Bergungsmaterialien dabei! Also erstmals bei 40 – 45° im Schatten die Kisten rauspacken, Matten unterlegen und es nochmals im Rückwärtsgang versuchen. Nichts, die Räder graben sich nur tiefer in den Sand. Zum Glück ist ein schwerer Laster vor Ort, welcher uns bald zur Hilfe kommt. Mit dem notwendigen Seilmaterial (welches wir natürlich auch dabei hatten) konnte uns der Laster langsam wieder aus der mieslichen Lage ziehen.

Festgefahren
Zum Glück gibt es noch Grösseres als Selma

Phu, nochmals Glück gehabt. Total dreckig und verschwitzt geht es keine Minute, als wir von Iranern angehauen werden. Sie brauchen ebenfalls das Bergungsmaterial. Nur ein paar Meter entfernt hatten auch sie sich eingegraben. Immerhin waren wir nicht die einzigen, denen das passierte… Und wieder eine Minute nachdem wir die Iraner rausgezogen haben kamen zwei neue Iraner, welche uns herzlich willkommen hiessen (was grundsätzlich nichts ungewöhnliches war) und uns unbedingt zum Essen einladen wollte. Andreas war so K.O. und hungrig, das wir kurze Zeit später ohne Wissen wie es um uns geschieht mit ihnen im Restaurant sassen, wo wir das wahrscheinlich beste Hühnchen in ganz Iran assen. Die beiden hatten anscheinend ein schlechtes Gewissen, dass sich die anderen Iraner welche wir heraus gezogen haben nicht richtig bedankt haben. Darauf erzählten sie uns von ihren Plänen, dass wir in ihrer Villa schlafen könnten, duschen, zur Party mitgehen können und und und. Nach dem Essen konnten wir schlecht nein sagen und so liessen wir uns darauf ein. Zuerst fuhren sie uns in das Villenviertel und zeigten uns ihre Villa, welche noch im Umbau war. Nichts mehr von den hohen, grauen Blöcken und Abfallbergen. In etwa so stellten wir uns Beverly Hills vor. Grüne Wiesen, schöne Strassen, und eine Villa an der anderen. Kein Meter wird hier zu Fuss gegangen. Sogar das Essen wurde per Telefon bestellt und von einem Mitarbeiter aus dem Supermarkt ins Auto gebracht. Nicht unsere Welt, aber das war uns momentan gerade egal. Wir genossen auf jeden Fall den kühlen Schwumm im Meer (für Frauen natürlich mit Kleider) und die erfrischende Dusche. Eigentlich waren wir müde und wollten ins Bett, doch natürlich mussten wir unbedingt noch zu einer Party von einem seiner Freunde, denn in diesem Viertel sei ‚jeder Abend Party‘. Wir fuhren zu einem seiner Freunde, wo wir vor verschlossener Türe standen. Der Gastgeber war noch am Einkaufen uns sollte erst nach 20 Minuten erscheinen. Wir setzten uns auf’s Sofa, tranken Schnaps und ‚feierten‘ die Fake-Party. Anscheinend hat sich der Kollege im Ausland genug Geld verdient, im Iran ein paar Häuser gekauft, diese vermietet und chillt jetzt für den Rest seines Lebens. Auch diese Seite gibt es im Iran. Wir bedankten uns, und waren froh, am nächsten Tag wieder einigermassen früh weiterzukommen.

In den letzten fünf Tagen, die uns noch übrig blieben fuhren wir jeweils früh am Morgen zügig los, um spätestens am Nachmittag vor dem grössten Hitzeeinbruch ein Schattenplätzchen für den restlichen Tag aufzufinden. Der Golestan Nationalpark bot uns das einigermassen, bei einem kleinen Wasserfall, wo wir auch den 1. August verbringen konnten. Natürlich waren wir nicht die einzigen, welche das wahrscheinlich kühlste Plätzchen im ganzen Nationalpark aufsuchten, und so waren wir wieder einmal umringt von Iranern, welche an jedem noch so erdenklichen Platz ihr Zelt aufstellten. Dazwischen trottete menschenunscheu immer mal wieder ein Wildschwein hindurch. Kein Wunder, es bekam in den Abfallkübeln und rundherum ja all die Nahrung, welche es brauchte. Neben etlichen Wildschweinen soll es auch Leoparden und Braunbären im Nationalpark geben. Nur blöd, dass eine der Hauptverkehrsachsen vom Osten Irans nach Teheran quer durch den Nationalpark geht und dadurch vom Schwerverkehr belastet wird.

Zugegeben, wir feierten einen eher mittelmässigen 1. August im Golestan Nationalpark. Bei einer Rösti und einem kleinen Feuerwerk, welches eigentlich für Geburtstagstorten gedacht ist, dazu abertausende Iraner, die alle Fotos mit uns machen wollten. So kamen mehr schlecht als Recht Heimatgefühle auf. So schön der Iran auch war und so nett die Leute auch sind, wir sehnten uns nach Abgeschiedenheit und Ruhe, und freuten uns schon fast ein wenig auf das autoritäre Turkmenistan. Auf der Weiterfahrt über Bodschnurd, wo wir bei einem Park übernachten wollten, kam es natürlich wieder zur gleichen Situation. Ein junger Herr fuhr mit seinem Auto neben uns fragte uns in gutem Englisch, ob wir einen Übernachtungsplatz suchten. Ja, natürlich. Hilfreich zeigt er uns einen Platz. Er habe uns heute im Zentrum schon beim Autowasch gesehen. Manchmal hat man so schon das Gefühl, man wird gestalkt… Leicht überrascht aber dankend liessen wir uns von ihm an ein super Plätzchen im Park chauffieren. Wir können aber natürlich auch sehr gerne bei seinen Eltern im Garten übernachten. Dort sei es sicherer und ruhiger. Dankend lehnten wir ab. Wir wollten den zweitletzten Abend in Iran nochmals für uns. Etwa eine Stunde später, Andreas war schon beim Zubereiten des Salates für den Znacht, kam er wieder mitsamt Eltern, die uns natürlich noch mehr überreden wollten, zu ihnen zu kommen. Zögerlich sagten wir dann zu. Dann wird halt der zweitletzte Abend im Iran nicht ruhig, sondern eben nochmals iranisch. So fuhren wir mit ihnen zu ihrem Garten und genossen noch ein letztes Mal die iranische Gastfreundschaft mit allem drum und dran, Shashlik, Chai, Nan, und natürlich auch Arac (der Schnaps). Einen wunderschönen Abend in welchem wir, dank dem guten Englisch, nochmals so einiges über die iranische Kultur lernten. Auch wenn es anstrengend ist, ist es doch immer wieder eine Bereicherung. Wieder früh weiter am nächsten Tag trafen wir dann in Qotschan wirklich noch alle letzten Vorbereitungen, tankten unsere Selma voll und machten uns auf an die Grenze.

Auch solche Bilder müssen irgendwo ihren Platz finden

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