Jede Nacht einen Sternenhimmel

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Ja, der Titel könnte von einer schlechten Schnulze kommen. Doch so kitschig es klingt, so konnten wir doch jede Nacht in Tadschikistan einen wunderschönen Sternenhimmel bestaunen (leider ist unsere Kamera nicht gut genug, um dies teilen zu können.)

Nach Tadschikistan geht man eigentlich für den Pamir Highway. Ein Must-Do für alle Reisende. Doch weil wir unsere Selma noch etwas länger brauchen, bleibt uns diese Strecke leider verwehrt. Zu schlecht sind die Strassen über die ca. 300 Kilometer hinweg. So fokussieren wir uns auf den Norden Tadschikistans, genauer gesagt das Fan-Gebirge. Eine gar keine so schlechte Alternative, wie sich herausstellt. Direkt nach der Grenze steuern wir als erstes die Seven Lakes an. Doch weil es auch hier neben den Hauptstrassen natürlich nur Schotterstrassen gibt, parkieren wir Selma etwas abgelegen und wollen am nächsten Tag mit dem Zelt bis nach hinten zu den 7 Lakes stöppeln. Natürlich fallen wir auch hier wieder auf und ein älterer Herr, mit mehr Löchern als Zähnen im Gebiss setzt sich zu uns. Wir offerieren erstmals unsere Wassermelone, welche er gerne annimmt und auch noch mit wenig Zähnen verspeisen kann. Wie wir herausfinden lebt er mit seiner Frau in der ziemlich spartanischen Lehmhütte nebenan. Sie haben zwar einen wunderschönen Garten mit Gemüse, wir wollen uns dennoch nicht vorstellen, wie hart das Leben hier im Winter ist.

Auf jeden Fall kommen wir hier unverhofft mit der Tadschikischen Offenheit in Berührung. Nachdem sie uns stolz ihren Garten gezeigt haben, schwatzt die Frau (die auch ziemlich alt und rundlich war) mit lauter Stimme und in Russisch (oder Tadschikisch?) auf uns ein. Wir denken uns nichts dabei, und machen uns auf um das Zelt und die Rucksäcke für die paar Tage bei den Seven Lakes zu packen. Als sie mit einer Wassermelone und einem Brot wieder zu uns kommt, gibt sie uns zu verstehen, dass sie auch nach Haft Kul, dem Ausgangspunkt für die sieben Seen, wolle. Nun gut, sie kann gerne mit uns mitfahren. Einen Fahrer ohne sie zu finden wäre wohl einfacher gewesen. Denn bei jedem Auto das anhielt, ging sie zum Fenster und schreite ihm mit lauter Stimme entgegen. Was auch immer sie sagte, die Autos fuhren weiter und wir fanden erst nach langem hin und her ein Taxi, welches uns bis an den Anfangsort der sieben Seen fährt. Erst als wir zügig loslaufen möchten wird uns bewusst, dass die alte Dame wohl nicht einfach zufällig nach Haft Kul muss, sondern anscheinend mit uns campieren möchte. Sie mit Brot, einer Melone und ein paar Decken ausgerüstet und einer so lauten Stimme, dass einem das Gehör weh tut und wir mit Futter für 4 Tage, guten Schuhen und dem Plan, bis ganz nach hinten zu wandern um die Einsamkeit zu geniessen. Nein danke, denken wir uns. Wir müssen ihr klar machen, dass wir alleine los wollen. Und wenn man sich gar nicht versteht, dann hilft meistens Schweizerdeutsch. So gebe ich ihr schweren Herzens auf Schweizerdeutsch zu verstehen, dass wir andere Pläne haben, bis sie es irgendwann wohl irgendwie versteht und kehrt. Mit leicht schlechtem Gewissen, aber wieder wesentlich entspannter machen wir uns dann endlich auf, mit schnellem Schritt und schweren Rucksäcken, zu den sieben Seen. Die Strecke ist zwar weit, aber wunderschön durch das Tal vorbei an den sieben Seen, einer schöner und blauer als der andere. Vorbei geht es auch an den kleinen Dörfern die sich entlang den Seen schlängeln.

Je weiter man nach hinten gelangt, desto weniger haben sie, so scheint es. Hier werden Esel noch vollumfänglich als lebensnotwendige Transportmittel eingesetzt. Es gibt weder viel Holz noch Strom. Nur Wasser hat man hier zu genüge. Die Kinder mit verstrubelten Haaren rennen uns hier entgegen, winken uns zu oder wollen uns ihre Handketten verkaufen. Und wieder fragen wir uns, wie das wohl im Winter hier ist.

Nach drei Tagen sind wir wieder zurück, und schon geht es weiter zum nächsten See, dem Iskanderkul. Der See fasst wohl die sieben Seen wassermässig in etwa zusammen. Auch wunderschön, aber doch etwas touristischer. Obwohl in eine 25km lange Offroad-Strasse von der Hauptverbindungsachse nach Duschanbe trennt. Wir fragen bei mehreren Leuten nach, ob der Weg mit Selma möglich ist. Jaja, kein Problem, meinen die meisten. Und so zeigt Selma wieder einmal, dass sie auch Offroad kann. Langsam aber stetig tuckert sie die 25km lange Strasse Kurve um Kurve zum Iskanderkul-See hoch. Nach zwei (!) Stunden haben wir es geschafft. Wir sind da! Damit sich der Aufwand auch lohnt, bleiben wir für drei Nächte hier, mit Pole-Position direkt am See.

Doch wie unsere Leser wahrscheinlich bereits wissen, werden wir spätestens nach drei Tagen ohne wirkliche Aktivitäten kribbelig, und so zieht es und weiter an die dritte und letzte Seeregion in den Fan-Mountains; den Alaudin-Seen. Ab dort kann man eine Wanderung zu den Kul-i-Kalon Seen oder, wie wir herausgefunden haben, auch auf den Peak Energia machen. Viele Infos dazu gibt es nicht, aber der Gedanke, auch noch einen 5000er in Tadschikistan zu machen lässt uns nicht so ganz los. Dieses Mal lassen wir Selma an der Hauptachse warten, packen wieder unsere Sachen und machen uns per Taxi und Autostopp auf Richtung Ausgangspunkt. Der Taxifahrer schafft es mit seinem Karren nur bis zum letztgrösseren Dorf. Ab dort müssen wir selber schauen, wie wir weiter kommen. Also erstmals abwarten bis ein Auto kommt. Sind es doch noch 24km bis zum Ausgangspunkt. Esel, Esel, vollbeladenes Auto, Esel, Menschen, Esel. Weit und breit kein leerer 4×4 der uns mitnehmen könnte. Und wenn das meistgenutzte Transportmittel hier der Esel ist, ja, dann nimmt man halt den Esel. Kurzerhand haue ich eine Frau und einen Jungen mit ein paar leeren Eseln an. Natürlich können wir aufsitzen. Und so geht es, die nächsten Kilometer auf dem Esel balancierend hoch. Doch die Reise wäre endlos. Und so bedanken wir uns und steigen wieder ab. Dieses Mal haben wir Glück, und ein leerer 4×4 Fahrer der Touristen vom Ausgangspunkt abholt nimmt uns mit.

Ab dort geht es noch ein kurzes Stück zum Alaudin-See, der klarste und schönste Bergsee bisher. Dort schlagen wir unser Zelt auf und beraten uns, ob wir nun den Peak Energia versuchen oder doch lieber die gemütlichere Route über den Pass zu den Kul-i-Kalon-Seen machen sollen. Am nächsten Morgen wissen wir es natürlich immer noch nicht. Eine Münze welche sonst in solchen Situationen für uns entscheidet haben wir nicht dabei. Der Steinschlag, welcher sich wie ein tosendes Gewitter anhört und Minuten später das ganze Tal einnebelt nimmt uns die Entscheidung ab. Wir machen die Route zu den Kul-i-Kalon Seen. Zu wenige Informationen zum Berg, zu unsicher die Lage. Und wir müssen eingestehen, dass wir auch mit der Passüberschreitung zu den Kul-i-Kalon Seen genug gefordert wurden, denn wir sind uns die 3800 Höhenmeter nicht mehr gewöhnt und kommen auch so zünftig ins Schwitzen. Der Aufwand hat sich jedoch gelohnt. Wir geniessen an den Kul-i-Kalon Seen nochmals einen wunderschön kitschigen Sternenhimmel.

Alaudin – Bilder sagen hier mehr als Worte

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