Wie wir nach Kirgistan kamen, so kam auch das kühle Wetter, und, nach etwa drei Monaten purem Sonnenschein, endlich auch mal wieder der Regen. Und mit dem Regen und der Kälte endlich mal wieder den Ofen einheizen, und richtig kochen! Unser ‚Backofen‘ war wieder in Dauerbetrieb. Apfelwähe, Zwetschgenkuchen, Kohlwickel, Aufläufe und natürlich selbstgebackenes Brot – das ganze Programm. Eine schöne Abwechslung zu den Tomaten-Gurkensalaten die in der letzten Zeit täglich auf dem Menuplan standen. Doch zuerst zum Anfang Kirgistans.

Der Grenzübertritt war eigentlich keine Sache. Hätte Andreas nicht mal wieder eine wirklich deftige Magenverstimmung gehabt, die sich auf seinen gesamten Körper übertrug. Bei der ‚Gesichtskontrolle‘ konnte er sich kaum aufrecht halten, in Osch angekommen lag er auf dem Boden, schweissgebadet und röchelnd, wärend ich mich von Büro zu Büro um den Papierkram kümmerte. Seitdem greift er nicht mehr so freizügig zu einem Shashlik. Doch so schnell diese Magenverstimmungen kommen, so schnell sind sie Gottseidank auch wieder weg, und am nächsten Tag konnten wir bereits die Fahrt  durch das wunderschöne Alay Tal nach Sary Tash, der Grenze zum Pamirgebirge im Süden Kirgistans in Angriff nehmen.

Das wunderschöne Alay Tal
Mit Besuch unterwegs
Auch hier gibt es den Alpabzug
Pferde wie auch Schafe

In Sary Tash wollten wir die zwei Holländerinnen wieder treffen, die von Tadschikistan über dem Pamir mit dem Velo kamen. Chapeu. Dafür gab es zur Begrüssung eben mal die erwähnte Apfelwähe. Mit ihnen und zwei weiteren Velofahrern, Sarah und Pedro, unternahmen wir eine zweitägige Wanderung zum Lenin-Base Camp auf 3400m, inkl. Übernachtung in der Yurte. Wunderschön und wild zeigte sich uns die Natur hier, mit einer Wand voller hoher und weissverschneiter Berge im Hintergrund. Der Anblick des mächtigen 7140m hohen Lenin-Peak machte uns richtig glustig und wir versprachen uns gegenseitig, dass dies unser 50igstes Geburtstagsgeschenk werden wird (und somit auch hier festgehalten ist).

Übernachtung in der Yurte
Mit Aussicht auf den Lenin Peak rechts von der verschneiten Bergkette
Wanderung hoch zum Travellers Pass auf 4100 m
Und die Aussicht zurück
Gebongt, das Geschenk zum 50.
Der Lenin Peak

Und wieder einmal wurde Selma auf Herz und Nieren geprüft. Nicht nur schaffte sie zu sechst die 12 Kilometer Offroad-Strasse zum Ausgangspunkt der Wanderung. Nein, sie verpflegte auch sechs Leute und schaffte Platz für 2 Personen mehr für die Übernachtung. Neuer Rekord. Über eine längere Zeit ist es dann aber doch gemütlicher zu zweit, und so nahmen wir den Rückweg nach Osch durch das wunderschöne Tal zuerst alleine an. Doch wie üblich sind wir nicht schneller unterwegs als die Velofahrer, und so traffen wir sie wieder unterwegs.

Zu 6. Znacht in Selma
Auch schlafen geht bis zu 4 Personen
Braucht einfach alles etwas mehr Organisation
Ob die Brücke zum Ausgangspunkt hält?

Da zum Rücktransport auch die Option bestünde, dass die Holländerinnen mit Selma zurück fahren, tauschten wir kurzerhand für eine Strecke Fahrrad mit Fahrer, und ehe ich mich versah, sass ich auf dem Sattel und Mari am Steuer. Natürlich ohne Lastwagenausweis. Was in Europa unmöglich wäre, nimmt man hier nicht zu genau. Während sie souverän mit Andreas als Lehrer unsere Selma nach Osch steuerte, schaffte ich es, nach den ersten 20km bereits einen (bzw. den ersten ihrer ganzen Reise!) Reifen platt zu fahren. So sehr ich die kurze Abwechselung auf dem Fahrrad auch genoss, so war es auch die Bestätigung, dass es wohl eine gute Entscheidung war, die Reise mit unserer Selma und nicht mit dem Fahrrad anzutreten.

Fahrerwechsel

Das zweite Mal in Osch konnte auch Andreas die Stadt in gesundem Zustand geniessen, bevor es dann weiter nach Suusamyr ging.

Eine der wenig übriggebliebenen Lenin-Statuen in Osch
Schulbeginn
Und wieder mal ein paar Markteindrücke

Nach den kalten aber noch sonnigen Tagen kam eine Schlechtwetterfront, und mit den hohen Pässen auf dem Weg nach Norden sogar der Schnee! So schnell kann es also gehen, dass man am einten Tag noch gemütliche 28 Grad hat, und am nächsten Abend bereits einheizen muss. Oder eben darf. Richtig gemütlich verbrachten wir den Tag in der wohlig warmen Selma, bei einem guten Buch, und, einem selbstgebackenen Zwetschgenkuchen.

Aber genug Erholung. Am nächsten Tag packten wir unser Zelt, um uns per Autostopp bis nach Kyrtuz, dem Ausgangspunkt zum Song Kol See durchzuringen. Ein uralter, russischer 4×4 nahm uns zum Glück auch bald mit und wir tuckerten gemütlich während vier Stunden durch das wunderschöne Suusamyr Tal nach Kyrtuz, 100km weg von Selma.

Kühlwasser nachfüllen
Verregnet aber schön

Das Wetter ist noch immer nicht besser, und so schaffen wir es an diesem Tag auch nur ein paar Kilometer weit Richtung See – und stellen das Zelt genau noch rechtzeitig auf, bevor es so richtig zu schiffen beginnt. Die Bergspitzen sind bereits schneebedeckt, und wir kuscheln uns tief in unsere Schlafsäcke. Am nächsten Morgen ist das Aussenzelt zwar gefroren, doch das Wetter zeigt sich wieder von seiner Sonnenseite, und wir nehmen die Wanderung über den Pass zum See in Angriff.

Regnerisch geht’s los
Als ob man noch nicht nass genug wäre
Die Bergspitzen sind schneebedeckt
Da bleibt man lieber im Zelt
Aber die Wolken reissen bald auf
Und am nächsten Tag zeigt sich wieder die Sonne von ihrer besten Seite

Auch hier wieder, eine wunderschöne, wilde Natur, die wir ganz allein für uns haben. Bzw. fast für uns alleine. Zwischendurch zeigt sich mal wieder eine Führerlose Schafherde oder ein paar Pferde, die irgendwo grasen. Auch kommt ein Pferdehirt vorbeigeritten, der auch eine Yurte am See hat, wir können bei ihm übernachten. Gesagt getan, und wir geniessen die sehr spartanisch aber extrem authentische Erfahrung in der Yurte.

Unser Berghotel
Son Köl am Tag
Laika geniesst die Streicheleinheiten
Abendstimmung
Mit Naturmalereien
Zum Glück hält der Schafsmantel warm

Ein bisschen wie bei uns auf der Alp, einfach auf kirgisische Art und Weise produzieren sie hier tagtäglich frische Butter, eingesottene Butter, und auch Stutenmilch. Die leicht säuerliche Milch schmeckt ziemlich gewöhnungsbedürftig. Sie sei aber sehr gesund, trinkt der Hirt doch jeden Tag 5 Liter davon! Am nächsten Morgen kaufen wir noch frische Butter ab

und machen uns dann per Pferd wieder zurück über den Pass zu unserer Selma.

Hier wird noch alles selber gemacht
Butter
Stutenmilch
Zurück per Pferd
Der geborene Cowboy 😉

Das perfekte Wetterfenster für den Ausflug erwischt machen wir uns am nächsten Morgen auch schon wieder bei strömendem Regen bzw. Schnee auf den Passhöhen auf Richtung Bischkek. Dort feiern wir erstmals bei einem guten Glas Wein unser 6-monatiges Reisejubiläum. Unglaublich, sechs Monate schon unterwegs und noch nie etwas passiert. Immer wieder sieht man irgendwelche Autos die abgeschleppt werden müssen, und jedesmal denken wir, hoffentlich passiert uns das nicht. Doch Selma bringt uns tadellos Tag für Tag weiter. Darauf darf auf jeden Fall angestossen werden. Bischkek selbst ist eine überschaubare Stadt, mit dem Ala-Too Platz welcher auch einen wunderschönen Blick zu den verschneiten Bergen gewährleistet. Und doch beherbergt sie viele gemütliche Cafés und Restaurants, und sogar einen ‚Unverpackt-Laden‘ (den ersten seit Beginn unserer Reise) welche zum Verweilen einladen.

Im dicksten Nebel nach Bischkek
Bischkek
Hier lässt sich das 6 monatige Reisejubiläum feiern
Und treffen auf Selmas kleinen Bruder – in Krankenwagenausführung

Bevor es in die nächste Stadt geht, möchten wir nochmals die Berge geniessen, und fahren in den nahe gelegenen Ala-Archa Nationalpark. Ein wunderschönes Tal, fast ein bisschen wie das Engadin, erwartet uns. Wieder packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf, um den 4500 hohen Peak Uchitel zu besteigen. Zum Glück hatten wir die schweren Bergschuhe dabei und waren noch gut akklimatisiert, sodass uns weder die Höhe noch der viele Schnee, der bereits lag, nicht allzu viel ausmachte. Aber bevor ich wieder von der atemberaubenden Natur schwärme, lass ich lieber die Bilder sprechen.

Da kommen Heimatgefühle auf
Beim Aufstieg zum Peak Uchitel geht’s vorbei am Broken heart
Zuerst für eine Nacht in die Schutzhütte…
Um am nächsten Tag hoch
Zum Gipfel
Und mit Begleitung wieder runter
Vorbei an noch etwas Kunst am Berg 😀

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