Auf einer piekfeinen, nigelnagelneuen zweispurigen Autobahn ging es weiter Richtung Norden. 900km zeigte die Kilometertafel noch an bis nach Ust-Kamenogorsk. Wir fühlten uns wie im Paradies. Wenn das bis oben so hinhält, dann ist die grosse Distanz in zwei Tagen geschafft und wir haben genügend Zeit, das Altai-Gebirge auszukundschaften. Zuerst machten wir aber noch einen Zwischenstopp im Altyn Emel Nationalpark. Hier kamen wir mit Selma leider nicht weit. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten, der singenden Düne und den Aktau Bergen waren es je 50km Offroad. Das wollten wir ihr nicht antun. Da wussten wir aber noch nicht, was uns später erwartete…


Wir hatten aber wieder mal ein Riesenglück. Kaum beim lokalen Infobüro angekommen fanden wir einen Bus mit Touristen von Almaty und Russland. Sie hatten noch einen Sitz frei und nahmen uns gerne für die nächsten zwei Tage mit. Tag 1: Aktau Berge, Tag 2: Singende Düne. Volltreffer! Dachten wir und teilten uns den letzten Platz im Bus. Noch schnell eine Wasserflasche eingepackt ging es fünf Minuten später los.

Die singende Düne
Ragt mitten im Nichts aus dem Boden
Die Farbenpracht der Aktau Berge
Gibt es auch in weiss
Und weitere skurrile Gesteinsformationen (und noch viel skurrilere Akrobatikübungen)

Die beiden Naturwunder waren bereits extrem beeindruckend. Auf einer Fläche von knapp 4600 km2, bei welcher auf den ersten Blick alles flach aussieht, ragen irgendwo farbige Berge, schwarze Gesteinsformationen oder eben einfach mal wie aus dem nichts eine riesige Sanddüne aus dem Boden. Doch das eigentliche Highlight dieser 2-Tagestour war die Reisegruppe an sich. Da war zum einen die Reiseführerin; eine kleine, kecke Dame. Sie fand rasch heraus, dass wir auch etwas französisch sprachen, und machte ab da die ganze Führung, voller Euphorie ihr Französisch mal wieder benutzen zu können, mit uns auf französisch. Nur als Andreas auf einem Hügel den Handstand machte, vergass sie wohl ihren Vorsatz und rief mahnend „Andreas, this is a very dangerous position!“.

A very dangerous position =)

Dazu kam das Fahrzeug, einen Mercedes Sprinter, mit abgefahrenen Reifen und ohne 4×4. Selma wäre für diese Pisten besser geeignet gewesen, wäre nicht der Innenausbau. So tuckerten wir mit maximal 25 km/h die 50km lange Piste zu den Sehenswürdigkeiten und wurden von einem Offroader am anderen überholt. Zwischendurch öffnete der Fahrer auch immer mal wieder die Fahrertüre und prüfte besorgt die Reifen, bis wir am zweiten Tag einmal alle aussteigen mussten und der Fahrer fürsorglich die Reifen von hinten nach vorne wechselte. Zum Glück hatten wir Zeit…

Unser Auto

Dann war da der Deutsche Kasache auf Besuch bei seinen Verwandten. Ein Teil seiner Grosseltern waren Deutsche und sind während des zweiten Weltkrieges in die Sovietunion geflüchtet und nun wieder zurückgezogen. Oder die Almatanerin, welche für das Hochzeit ihrer Schwester gerade ihr halbes Vermögen, 9000 USD ausgegeben hat.

Geeignete Autos
Und eben unser weniger Geeignetes
Die Reisegruppe
Und Svetlana, unser Guide

Nach den zwei sehr unterhaltsamen Tagen und guten Begegnungen waren wir dann aber natürlich auch wieder glücklich zu zweit mit Selma unterwegs zu sein, und unser Sonntagsfrühstück nachzuholen.


Die nächsten drei Tage nach Ust-Kamenogorsk sind eigentlich schnell zusammengefasst: holper holper, rüttel, rüttel, klirr, bum tätsch. Etwa so klang es während der ganzen Fahrt vom Nationalpark bis nach Ust-Kamenogorsk. Die Route, die in Google Maps eigentlich als Autobahn (!), und Hauptverbindung von Süd nach Nord angegeben wird, war zu 90% Schotterpiste. Wenn es mal ein Stück Teer hatte, war dieses gesäumt mit Schlaglöchern. So tuckerten wir mit durchschnittlich 25km/h die Strasse entlang, um die 200km pro Tag in etwa acht Stunden hinter uns zu bringen. Das Deprimierende daran war, dass sie nebenan eine nigelnagelneue Strasse bauten. Wir wussten nicht wie lange sie schon an der Arbeit waren, aber vielleicht wäre das bereits im nächsten Jahr die Erlösung gewesen…

Mal so,
Oder so
Und wenn mal Teer…
… dann meist mit Tücken
Alles in allem etwa so

Nicht nur unsere Nerven litten (ja hier lernt man eine gute schön geteerte europäische Strasse so richtig zu schätzen), auch für Selma war es kein Spass. Das ganze Geschirr blieb zwar trotz allem Geklirre erstaunlicherweise ganz, der Kühlschrank machte die Tortur jedoch nicht mit. Am zweiten Tag stieg er aus. Ein Kabel hatte sich durch die Vibrationen nach hinten verrutscht und gelöst. Zum Glück wieder mal ist alles selbst gebaut und Andreas wusste genau, wo er suchen und reparieren musste.

Selma im Service bei Garage Brändle

Auch der Auspuff hielt den Vibrationen nicht stand und musste notfallmässig hochgebunden werden. Dazu kam all der Staub und Dreck der von der Strasse reinkam. Aber alles hat ein Ende, und so kamen wir nach langwierigen drei Tagen endlich in Ust-Kamenogorsk an. Und so mühsam die Strassen auch waren, so genossen wir doch irgendwie die unendliche Steppe, die uns Tag für Tag begleitete.

Der Kasache, der einfach beeindruckt ohne etwas zu sagen ca 1h vor Selma verweilte
Eine ausgediente Kornanlage
Geht man mal hinter die Büsche, findet man leider auch solches..
Zum Schluss – Situationen aus unserem Alltag: Andreas beim Wasser füllen

One Reply to “Mainroad but Offroad”

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