Am 25. Oktober war es dann auch wirklich soweit und wir wurden endlich in Russland eingelassen. Nichts mehr von den Einzelverhören und der kleinlichen Busdurchsuchung, welche wir bei der Grenzüberquerung für den Elbrus über uns ergehen lassen mussten. Eine kurze Begrüssung, ein Blick in den Bus, ein Blick in den Pass, Stempel rein und durch waren wir. Anscheinend ist man hier bereits weit genug weg von Moskau, als dass die durchgetaktete Reiseplanung, welche für das Russlandvisum angegeben werden musste noch von Bedeutung wäre. Wir waren drin, und ab da hiess es, Gaspedal runterdrücken, fahren, fahren, fahren. Acht Stunden oder mindestens 500km pro Tag war das Ziel. Wir hatten schliesslich 6‘500 km bis nach Wladiwostok zu bewältigen. Der erste Tag ging erstaunlich gut, 400km machten wir nach der Grenzüberquerung noch bis nach Barnaul und wir waren guten Mutes. Die Strassen waren ja auch ein Verwöhnprogramm für Selma verglichen zu denen Kasachstans. Der gute Mut verflog jedoch bald. Die nächsten Tage gingen nicht mehr so leicht vom Sockel. Das Wetter hat sich extrem verschlechtert. Wir fahren, den ganzen lieben Tag lang, inmitten von grösstem Schneegestöber. Die Konditionen sind alles andere als gut und wir schaffen die 500km, unser ‚Mindesttagesziel‘ trotz kurzen Pausen nur knapp. Das Fahren ist eher gefährlich als spassig und wir sind uns mittlerweile gar nicht mehr so sicher, ob Wladiwostok noch wirklich sinnvoll, bzw. machbar ist. Auch bei den Übernachtungsplätzen sind wir unterdessen anspruchslos, da es sowieso nichts anderes als ein Platz inmitten der Taiga gibt. Das einzige Abwechslungsreiche am Tag hier ist der Znacht, bei welchen wir uns mit feiner Pizza oder Kürbisburger verwöhnen.

Bei den Übernachtungsplätzen wird man auch anspruchsloser
Nur die sibirischen Dörfer und das abendliche Mahl sorgen noch für etwas Abwechslung.

Der Tag darauf ist nicht besser. Im Gegenteil. Der Schneefall ist nochmals stärker geworden und die Strassen sind schneebedeckt. Wir fahren vorbei an unzähligen Unfällen und Lastwagen, welche ins rutschen gerieten und nicht mehr weiter kommen. Nur Selma, die fährt. Doch obwohl Selma mal wieder einen genialen Job macht entschliessen wir uns, bereits in Irkutsk am Baikalsee eine Möglichkeit zu finden um sie nach Moskau zu bringen. Es macht keinen Sinn, die zusätzlichen 4000 km abzufahren, nur um Wladiwostok mit Selma erreicht zu haben. Zusätzlich zeigen die Wetterprognosen noch viel tiefere Temperaturen an. Die Weiterfahrt wäre nur ein unnützes Risiko, welches wir eingehen würden. Diesen Entschluss gefasst fahren wir deshalb die letzten zwei Tage einiges gelöster unserem neuen Ziel entgegen und kommen dann auch nach total über 18‘000 gefahrenen Kilometer unfallfrei in Irkutsk an. Danke Selma, dass du uns ohne Probleme, ohne irgendwelche Unfälle reibungslos und komfortabel so weit von der Schweiz bis ins Ziel gebracht hast! Selma kann jetzt erstmals entspannen. Sie wird ready gemacht für eine Fahrt auf dem Lastwagen zurück nach Moskau.

Für uns geht es erstmals mit der transsibirischen Eisenbahn weiter bis nach Wladiwostok, um unser ursprüngliches Ziel doch noch zu erreichen. Ab da nehmen wir die Fähre nach Japan und fliegen dann nach Australien. Dort wartet bereits Selmas Freund auf uns, der auch besser für Australiens Outback geeignet ist.

‘Selma’s Neuer’ wird uns hoffentlich genauso gut durch das Outback bringen

Wir werden Selma im März wieder in Moskau abholen, um die Rückreise in die Schweiz anzutreten. Denn wir müssen schon zugeben, wir freuen uns auch wieder auf Zuhause. Doch bis dahin geniessen wir noch die letzten Tage mit Selma und danach die weitere Reise als Backpacker gen Osten.

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