Nach der dreitägigen, gar nicht mal so ruhigen Überfahrt von Wladiwostok nach Sakaiminato, Japan inkl. Zwischenstopp in Südkorea begrüsst uns eine neue Welt. Vorbei war es mit den kurz angebundenen Begrüssungen, den wenig einladenden Toiletten und der eisigen Kälte.

In Japan gibt einem jeder lächelnd eine Antwort, auch wenn er gar nichts verstanden hat. Jeder ist bemüht zu helfen, und man kann das Schmunzeln nicht verkneifen, wenn sie eifrig und wie wenn sie Schluckauf hätten, „hai, hai“ (ja, ja) zur Antwort geben. Die Sauberkeit hier ist ein Traum. Nicht nur sind die Toilettensitze gereinigt, nein, sie sind auch geheizt, gratis und überall verfügbar. Dazu sind sie mit x-Knöpfen zur Spülung, Säuberung (vorne, hinten und wo auch immer), und Ekelgeräuschübertönung ausgestattet. Die Zeit unserer Toilettengänge hat sich seither mindestens verdoppelt.

Was uns jedoch fehlte, das war der Fisch. Wenn man an Japan denkt, kommt einem als erstes Fisch und Reis in den Sinn (zumindest war das bei mir so). Doch da wurden wir enttäuscht. Die ersten paar Tage in Japan assen wir vor allem eines: Nudeln, Nudeln, Nudeln, und Fleisch. Nicht dass das ein schlechter Ersatz gewesen wäre. Die Nudeln gibt es in allen möglichen Variationen. Soba Nudeln, Udon-Nudeln, in Suppe, als Omelett (Okonimiyaki), mit Fleisch oder rohen Eiern. In den Genuss von Reis und frischem Fisch kamen wir jedoch erst, als wir in die etwas teureren japanischen Restaurants und Unterkünfte einkehrten. Vielleicht fiel uns das aber auch so richtig auf, weil wir nun als Backpacker auf ‚gekochtes‘ Essen angewiesen waren. Vorbei war es mit der guten Selmaküche, wo man sich nach Lust und Laune etwas Feines kochen konnte. Vorbei war es auch mit dem gewohnten Schlafgemach. Die Betten wurden mindestens alle zwei Tage gewechselt. Bett beziehen, Sachen auspacken, und am nächsten Tag auch schon wieder einpacken. Das schlaucht. Aber abgesehen davon, dass wir ein bisschen älter geworden sind und das Backpacking nicht mehr ganz so auf die leichte Schulter nehmen wie vor 10 Jahren, konnten wir bis jetzt wirklich wunderschöne Tage in Japan verbringen.

Neue Sauberkeit
Neue Kultur
Und Nudeln aller Art

Gestartet sind wir in der tragisch-Geschichtsträchtigen Stadt Hiroshima, wo das Atombombenmuseum eindrücklich erschreckend zeigt, was Atombomben anrichten können und wie leichtfertig dazumal mit ihnen umgegangen wurde. Nach Hiroshima fuhren wir weiter nach Himeji, wo die Burg aller Burgen Japans steht. Schön renoviert kann man sich hier gut vorstellen, wie die Kaiser anno dazumal lebten.

Genug von Stadt und Leuten gönnten wir uns bereits die erste Auszeit in Koya San. Das buddhistische Pilgerdorf ist eine der wichtigsten Stätte der Shingon Schule. Wir konnten uns dort etwas in die Spiritualität einfühlen und in einem buddhistischen Tempel mit Mönchen nächtigen und einem Morgengebet beiwohnen.

Wieder voller spiritueller Energie fuhren wir in Kyoto ein. Zum Glück hatten wir genug Energie gesammelt, denn die Touristenströme in dieser Stadt erschlagen einen. Zum Glück hatten wir Vero, eine St. Gallerin die momentan in Kyoto lebt und uns gute Tipps für Ausflüge und Restaurants ausserhalb der Menschenmasse geben konnte. So machten wir uns bereits am zweiten Tag auf an den Rand der Stadt, wo wir eine gemütliche Wanderung entlang des Flusses genossen und den Jingoji-Tempel besichtigten. Die Wanderung führt direkt zurück zu einem der Hauptattraktionen Kyotos, dem Bambuswald, wo meterhohe Bambusbäume in den Himmel hochragen. So schön es ist, so viele Leute hatte es auch wieder. Trotzdem liess Andreas es sich nicht nehmen, uns in einem Bambuszaun mit unseren Initialen zu verewigen. 99,9% aller Besucher liefen natürlich einfach an uns vorbei. Doch einer, der konnte es nicht fassen. Das sei ein Verbrechen und könne bis zu 30‘000 Yen bestraft werden (NB: es hatte bereits diverse andere Schnitzereien, aber Andreas sah im Nachhinein ein, dass es nicht die beste Idee war..). Er rufe jetzt die Polizei. Wir liessen uns nicht beeindrucken und liefen weiter, denn wir wollten eigentlich noch das Stadtviertel Ponto Cho auskundschaften. Doch der Typ liess nicht von uns los bevor wir uns recht besinnten, hielt uns ein Polizist an. Na toll, also doch. Sachverhalt erklären (so gut es halt eben ging, denn der Polizist sprach natürlich kein Englisch) ruhig bleiben und abwarten. Doch das ruhig bleiben gestaltete sich schwieriger, standen doch ca. 10 Minuten später 6 Polizisten um uns herum. Dass die nichts besseres zu tun haben! Alles fluchen half nichts, wir mussten zum ‚Tatort‘, das Vergehen wurden genaustens Vermessen und fotografiert. Es endete damit, dass wir mit zwei Polizeiautos zur Polizeistation gefahren wurden, dort separiert, durchsucht und ‚verhört‘ wurden, bis sie uns endlich gehen liessen. Das einzige Vergehen war eigentlich, dass man in Japan keine Messer mit sich mittragen dürfe. Ansonsten wünschten sie uns noch einen schönen Aufenthalt in Japan und liessen uns etwas beschämt gehen. Zwei Stunden später kamen wir also doch noch im Ponto Cho Viertel an und spülten das Erlebte erstmals mit einem Bier runter. Die nächsten Tage riskierten wir nichts mehr und liessen uns einfach durch Kyotos Sehenswürdigkeiten und herzigen kleinen Gässlein berieseln.  

Die nächsten Tage begnügen wir uns mit den normalen Sehenswürdigkeiten
Hier kommen wir bei einem Kaiseki (Japanische Haute Cuisine) auch endlich zu richtig gutem frischem Fisch

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