Langsam kommen wir dem Australien wie wir es uns vorgestellt haben näher: warme Temperaturen, einsame Strände, jede Menge wilde Tiere, und Fluglärm. Fluglärm? Im weiten Australien? Naja, beim Camping in Adelaide hatten wir effektiv den unglücklichen Platz erwischt, dass uns all 10 Minuten ein Flugzeug über den Kopf schwirrte. Glücklicherweise herrschte immerhin zwischen 11 Uhr abends und 7 Uhr morgens Flugverbot. Der Fluglärm welcher uns danach begleitete war effektiv eher australischer Natur. Praktisch jeden Abend sobald wir uns an einem gemütlichen Platz niedergelassen haben, kommen wie gerufen die Fliegen angeflogen. In der Schweiz kennt man es von den Kühen, wo die Fliegen in die Augen, Nasenlöcher und weiss Gott wo hineinfliegen. Jetzt entweder hat es in Australien zu wenig Kühe oder die Fliegen sind eher auf Menschen aus (wobei ich aufgrund des hohen Fleischkonsums eher an Zweiteres glaube). Auf jeden Fall verhält es sich genau so bei uns. Die Fliegen lassen dich einfach nicht in Ruhe. Sie fliegen dir in die Augen, die Nasen, und wohin es ihnen sonst noch passt. Zum Glück hat der Mensch mehr Möglichkeiten als die Kuh und wir helfen uns, wenn auch etwas umständlich, mit einem Fliegennetz weiter.

Alles in allem kommen wir aber wirklich in den Genuss, Australien von seiner schönsten Seite zu entdecken. Nachdem wir Adelaide relativ bald gesehen haben (eine Stadt voller komischer Leute, aber das Weinmuseum kann was!) zieht es uns weiter. Es sind ja auch noch einige Kilometer zu meistern. Es geht gen Westen, in die alte Kupferminenstadt Kadina. Die Temperaturen sind so hoch wie schon lange nicht mehr, doch die Touristeninfo bietet einen gratis Veloverleih an und so lassen wir es uns nicht nehmen, in der brütenden Hitze eine Erkundungstour auf dem Velo zu unternehmen – durch staubige Strassen welche wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten kein Velo mehr gesehen hat und eine leere Stadt mit Post Office, Spiellokalen und noch mehr komischen Leuten als in Adelaide. Immerhin, die Bewegung gibt uns das Gefühl, das Bier im nächsten Dörflein Wallaroo, in welchem das Cooper Alehouse steht so richtig verdient zu haben. In Wallaroo sind wir auch wieder an der Küste und wir finden ein richtig schönes, abgelegenes Plätzchen für die Nacht. Direkt am Meer, aber eben halt mit Fliegen.

Am nächsten Tag ist es nicht minder heiss und wir schaffen es natürlich genau in der grössten Hitze im Mount Remarkable Nationalpark für den 9km Alligator Gorge Walk anzukommen. Zum Glück gibt es auch die kürzere 2km Variante und wir entscheiden uns für diese. Natürlich vernünftigerweise nur wegen der Hitze und nicht wegen der sportlichen Anstrengungen… Aber auch der 2km Marsch durch den Alligator Gorge bietet einen imposanten Einblick in die ausgewaschenen Felsen. Wir sind ganz alleine (eigentlich auch logisch, bei der Hitze) und so eindrücklich der Marsch ist, so erleichtert sind wir auch, nach der guten Stunde wieder ohne Schlangen- oder Spinnenbiss beim Ausgangspunkt angekommen zu sein. Die Gegend ist nämlich gerade allzu paradiesisch für solche Arten und die zwei Tierkadaver, welche wir auf dem Weg angetreffen machen die Stimmung nicht weniger gruselig. Für die Nacht suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen ausserhalb, mit exzellentem Stroganoff und auch hier wieder – unseren lieben Fliegen.

Es geht weiter über Port Augusta, wo wir uns wieder mit dem nötigsten eindecken, in das kleine Dörflein Whyalla. Im ersten Augenblick sieht auch dieses ziemlich ausgestorben aus. Doch als wir uns kurzerhand für die Tour durch das Stahlwerk am nächsten Morgen anmelden sind wir überrascht. Die Tour ist bis auf den letzten Platz ausgebucht und Rob, unser Tourguide welcher in Whyalla aufgewachsen ist erzählt uns stolz, was für eine boomende Industriestadt Whyalla einmal war. Durch die Schliessung des Hafens hat die Stadt jedoch stark stagniert. Doch Rob hat Hoffnungen. Das Stahlwerk ist nämlich immer noch in vollem Betrieb (übrigens der einzige Lieferant für die Australischen Schienen) und der neue Investor hat Grosses vor. Hoffen wir also mit Rob, dass die Stadt wieder zu neuem Leben erwacht. Einen Linkshändler-Klub haben sie immerhin schon…

Nachdem wir uns Aussie-like an einem der vielen Grillplätzen ein Omelett zum Zmittag gemacht haben, fahren wir weiter an den nächsten einsamen und wunderschönen Strand in Port Gibbon. Auf der Fahrt muss man achtsam sein, denn immer mal wieder steht ein Känguru am Strassenrand, welches man lieber nicht mitnimmt. Als wir beim Frühstück am Strand dann auch noch eine Show von Delfinen, welche nahe der Küste verspielt auf und abtauchen erhalten, können wir wirklich sagen, jetzt sind wir in Australien angekommen.

Für den Australian Day am 26. Januar möchten wir jedoch schon mitten im Geschehen sein. Wir wählen dafür das Tunarama-Festival in Port Lincoln – das grösste Städtchen auf der Eyre Peninsula. Das Programm verspricht Grosses während dem ganzen Wochenende: Aktivitäten wie Thunfischweitwurf, Musik und Spezialitäten (Thunfisch) aus der Region. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. So werfen wir uns in das Getümmel, welches dann doch eher ein kleineres Dorffest als wirklich ein Australian Day wie wir ihn uns vorgestellt haben ist. Doch für uns passts. Es gibt wie angekündet Musik, gutes Essen und, zum Vor- und Nachteil für die Jungs, auch jede Menge Bier.

Nach dem Tumult freuen wir uns wieder auf die einsameren Flecken Australiens, von welchen wir entlang der Westküste der Eyre Island nicht enttäuscht werden. Von Coffin Bay bis zum Beluba Beach erwartet uns ein einsamer Strand am anderen, und ein Sonnenuntergang ist schöner als der andere. Nur der Fluglärm, der bleibt. =)

Impressionen der Sonnenuntergänge
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